Der Fachkräftemangel trifft inzwischen auch die Rechtsbranche. Kanzleien, Rechtsabteilungen und Notariate kämpfen um qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - insbesondere um Rechtsanwaltsfachangestellte (ReFas). In vielen Kanzleien bleiben Stellen monatelang unbesetzt, während die Arbeitsbelastung für die bestehenden Teams stetig steigt.
Doch woran liegt das? Und lässt sich dieser Mangel beheben?
Der Fachkräftemangel hat mehrere Ursachen. Manche sind hausgemacht, andere demografisch bedingt:
Ein entscheidender Schlüssel zur Lösung liegt in der Ausbildung. Immer weniger Kanzleien bilden aktiv aus und verschenken damit Potenzial. Ausbildungskooperationen mit Schulen, praxisnahe Infoveranstaltungen und kurze Social-Media-Clips über den Kanzleialltag können Begeisterung wecken.
Einige Kanzleien gehen noch einen Schritt weiter und fördern duale Studiengänge oder hybride Ausbildungsmodelle, bei denen Fachwissen mit Digitalisierungskompetenz kombiniert wird. Solche Modelle sprechen junge Menschen an, die mehr als „Büroalltag“ suchen.
Natürlich spielt das Gehalt eine zentrale Rolle. Laut dem Bundesverband der ReFas liegt der Median der Einstiegsgehälter oft unter dem, was kaufmännische Angestellte in anderen Branchen verdienen. Besonders in Großstädten kann das zum Ausschlusskriterium werden.
Doch Geld allein schafft keine Bindung. Junge Fachkräfte suchen nach Wertschätzung, Entwicklungsperspektiven und Flexibilität. Sie wollen Verantwortung übernehmen, in moderne Teams eingebunden sein und digitale Tools nutzen, die ihre Arbeit erleichtern und nicht erschweren. Routineaufgaben sollen reduziert werden, damit sich die ReFas auf anspruchsvollere Tätigkeiten wie Mandantenkommunikation oder Qualitätsmanagement konzentrieren können.
Neben Bezahlung und Technik spielt die Kultur eine immer größere Rolle. Kanzleien, die flache Hierarchien, offene Kommunikation und flexible Arbeitszeiten ermöglichen, punkten im Wettbewerb. Besonders hybride Modelle (z.B. zwei Tage Homeoffice pro Woche) gelten inzwischen als Standarderwartung vieler Bewerberinnen.
Auch Mentoring-Programme oder Weiterbildungspfade tragen dazu bei, Mitarbeiter langfristig zu halten. ReFas, die sehen, dass sie sich weiterentwickeln können, bleiben.
Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern Arbeitgebervorteil.
Eine Kanzlei, die digital arbeitet, signalisiert: Wir denken modern, wir investieren in unsere Mitarbeitenden. Darüber hinaus eröffnet Digitalisierung neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit über Standorte hinweg. Virtuelle Teams, digitale Kanzleiplattformen und cloudbasierte Systeme ermöglichen es, Arbeit flexibel zu verteile. Kanzleien, die diesen Schritt gehen, erschließen sich einen bundesweiten Bewerbermarkt, statt nur lokal zu suchen.
Legal-Tech-Tools wie von stp.one unterstützen bei der Automatisierung von Standardprozessen, beim Daten- und Dokumentenmanagement oder der Workflow-Optimierung. Das entlastet nicht nur ReFas, sondern auch Anwälte und Partner. Gleichzeitig wird für mehr Transparenz und Planbarkeit gesorgt.
Der ReFa-Fachkräftemangel ist kein vorübergehendes Problem, sondern ein Signal für notwendige Reformen in Ausbildung, Arbeitsorganisation und Kanzleikultur. Digitale Tools, transparente Karrierewege und moderne Rahmenbedingungen sind dabei keine Kür, sondern Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit. Kanzleien, die jetzt umdenken und investieren, verwandeln den Mangel in eine Chance zur nachhaltigen Erneuerung.
Im nächsten Teil unserer Serie beleuchten wir, wie Kanzleien ihre Organisationsmodelle neu erfinden können – weg von reinen Hierarchien, hin zu flexiblen, digital unterstützten Teams.
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