Die Kanzleiwelt steht vor einem Generationswechsel. Junge Juristen, die Generation Z, drängen auf den Arbeitsmarkt und bringen neue Vorstellungen davon mit, wie Arbeit aussehen sollte. Sie wollen exzellente juristische Arbeit leisten, aber nicht um den Preis des Privatlebens. Work-Life-Balance, Remote-Arbeit und flexible Modelle sind keine Wunschträume mehr, sondern klare Erwartungen.
Doch wie realistisch sind diese Ansprüche in einer Branche, die traditionell von Präsenz, Leistungsdruck und langen Arbeitszeiten geprägt ist? Und was können Kanzleien tun, um für junge Talente wirklich attraktiv zu sein?
Die Generation Z, kurz „Gen-Z“, ist digital aufgewachsen, vernetzt, leistungsorientiert, aber auch gleichzeitig selbstbewusst in ihren Ansprüchen. Für sie zählt nicht nur das Gehalt, sondern auch Sinn, Wertschätzung und Flexibilität.
Viele Nachwuchsjuristen stellen sich die Frage: Wie will ich arbeiten und nicht nur wo?
Während frühere Generationen bereit waren, sich über Jahre „durchzubeißen“, erwarten junge Anwälte heute mehr Balance und individuelle Gestaltungsspielräume. Das Kanzleileben im Dauerstress, mit 60-Stunden-Wochen und permanenter Erreichbarkeit, ist für viele keine Option mehr.
Work-Life-Balance ist für die Generation Z kein Luxus, sondern eine Grundvoraussetzung. Junge Juristen wollen Raum für Familie, Freizeit und mentale Gesundheit, ohne deshalb als weniger engagiert zu gelten.
Kanzleien, die flexible Arbeitszeiten, Homeoffice-Tage oder Auszeiten ermöglichen, punkten deutlich im Wettbewerb um Talente. Auch offene Kommunikation über Arbeitsbelastung und klare Erwartungshaltungen spielen eine zentrale Rolle.
Realität: In vielen Kanzleien sind Überstunden und Wochenendarbeit nach wie vor an der Tagesordnung, insbesondere bei Großmandaten oder Gerichtsterminen. Eine perfekte Balance wird in der Kanzleipraxis selten erreichbar sein. Doch Transparenz und Fairness in der Arbeitsgestaltung sind realistische Schritte, die Vertrauen schaffen.
Die Pandemie hat bewiesen: Juristische Arbeit kann in vielen Bereichen auch remote funktionieren. Schriftsätze, Recherche und Vertragsentwürfe lassen sich digital erledigen. Für die Generation Z ist die Möglichkeit zum Homeoffice daher selbstverständlich.
Kanzleien profitieren davon ebenso, Remote-Modelle erhöhen die Arbeitgeberattraktivität und helfen, Fachkräfte überregional zu gewinnen.
Aber: Der persönliche Austausch, die Ausbildung junger Anwälte und das gemeinsame Mandatsverständnis leben von Präsenz. Dauerhafte Vollzeit-Remote-Arbeit bleibt daher in den meisten Kanzleien unrealistisch. Hybride Modelle – etwa zwei bis drei Tage Homeoffice pro Woche – bilden hier den idealen Mittelweg.
Teilzeit, Jobsharing oder individuell gestaltete Arbeitszeiten sind längst nicht mehr exotisch. Immer mehr Kanzleien öffnen sich neuen Konzepten, um motivierte Mitarbeiten zu halten.
Insbesondere jüngere Anwälte schätzen Arbeitgeber, die Leistung an Ergebnissen statt an Anwesenheit messen.
Fortschrittliche Kanzleien bieten heute flexible Modelle, ohne die juristische Qualität zu gefährden – etwa durch projektbezogene Teams, klare Zuständigkeiten und den Einsatz digitaler Tools.
Unrealistisch bleibt jedoch: völlige Selbstbestimmung über Arbeitszeiten und -orte in stark mandatsgebundenen Bereichen. Mandaten erwarten Erreichbarkeit, Deadlines sind fix. Flexibilität funktioniert nur dort, wo Prozesse klar strukturiert sind.
Um für die Generation Z ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, reicht es nicht mehr, ein hohes Gehalt oder einen prestigeträchtigen Namen anzubieten.
Entscheidend sind:
Kanzleien, die dies strategisch umsetzen, positionieren sich nicht nur als attraktive Arbeitgeber, sondern auch als zukunftssichere Marken am Rechtsmarkt.
Die Erwartungen der Generation Z sind kein Ausdruck von Bequemlichkeit, sondern von einem veränderten Verständnis von Arbeit. Sie suchen Sinn, Fairness und Freiraum, ohne auf Professionalität zu verzichten.
Kanzleien, die sich dieser Haltung öffnen, gewinnen motivierte, loyale Mitarbeiter und sichern sich langfristig Wettbewerbsfähigkeit.
Denn die Zukunft des Rechtsmarkts gehört jenen Arbeitgebern, die erkennen: Junge Anwälte wollen nicht weniger leisten, sie wollen anders arbeiten.
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